Moderne Theorien des Politischen begreifen ihren Gegenstandsbereich als in sich geschlossen, als sich selbst genügend. Sowohl der Begriff der politischer Autonomie wie auch der Begriff staatlicher Souveränität suggerieren, dass politische Ordnungen in nichts anderem gründen als in sich selbst. Doch diese Auffassung wird von der Dynamik politischer Rhetorik und Argumentation ständig infrage gestellt. Sie greifen immer wieder über die Ränder der bestehenden Ordnung hinaus. Sei es, um diese Ordnung zu reformieren oder zu revolutionieren. Sei es, um sie als ewig unabänderlich zu behaupten. Alles politische Reden ist bestrebt, dem politischen Handeln Ziel und Richtung zu geben. Per definitionem gibt sich Politik nie damit zufrieden, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen.
Aus der Perspektive politischen Handelns ist das, was jenseits einer politischen Ordnung liegt, weder ein Gespenst noch ein Wolkenkuckucksheim. Vielmehr hat es den Anschein, dass sich der Bereich des Politischen erst im Ausgreifen über die Ordnung hinaus konstituiert, politisches Handeln als ‚Arbeit an der Ordnung‘ so erst verständlich wird. Jenseits der Politik wird das Fundament gesucht, auf dem sich eine Ordnung konsolidieren lässt. Und auch der Leitstern, der dem Reden und Handeln in der politischen Wirklichkeit seine Richtung gibt, steht über dem Bereich der politischen Wirklichkeit. Nicht zuletzt lauert dort, jenseits der Ordnung, auch die Unordnung, die alles Ordentliche durcheinanderzubringen droht. Was jenseits einer politischen Ordnung liegt, ist ihr transzendent. Transzendenz ist in diesem Sinne nicht qualitativ zu bestimmen, sondern in Relation zur Dynamik politischer Wirklichkeit zu begreifen.
Über die Transzendenzbezüge im Politischen zu sprechen heißt, die Horizonte politischen Handelns in den Blick zu nehmen. Politik wird dabei weder als soziales System interpretiert, noch als Schaumschlägerei über den Wellen der Geschichte banalisiert.
Anhand verschiedener Phänomene des öffentlichen Lebens sowie unterschiedlicher theoretischer Problemstellungen wird das analytische Potenzial deutlich. Nämlich überall dort, wo die politischer Ordnungen (de)legitimiert werden oder ihre Veränderung gefordert wird. Und auch dort, wo es um die politische oder soziale Integration partikularer Gruppen in ein übergreifendes Ganzes geht. Die zentrale Figur solcher Diskurse ist stets der Ausgriff auf das, was jenseits der bestehenden Ordnung liegt. Diese Figur gilt es besser zu verstehen. Die Vorträge der Tagung „Jenseits der Ordnung“ werden sich dem Problem eines politischen Transzendenzbegriffs aus verschiedenen Richtungen nähern, ihn an historischen und gegenwärtigen Diskursen erproben und ihn auf sein epistemisches Potenzial hin befragen.
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